Kommentar zu Römer 7 & 8

von
Peter Engehausen

 

Römer, Kapitel 7

1 Oder wißt ihr nicht, Brüder - denn ich rede zu denen, die Gesetz kennen1 -, daß das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt?

1 Paulus spricht zu den Christen, die wie er früher dem jüdischen Glauben anhingen.

2 Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes.2

2 Paulus versucht seine Aussage aus Vers 1 durch ein Beispiel zu verdeutlichen. Dabei verwendet er das Bild der Ehe und verweist auf eine alttestamentliche Regelung, die auch später von Paulus als gültig verkündigt wurde (1Kor 7,39). Eine Frau verheiratet war auf Lebenszeit des Mannes mit ihm verbunden.

3 So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, so daß sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.3

3 Erst mit dem Tod war eine Frau frei (vgl. Mt 19,9; Lk 16,18). Paulus vergleicht die Ehe mit dem gebunden sein an dem Gesetz des ATs.

4 So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus4, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten5, damit wir Gott Frucht bringen6.

4 Durch Jesus Christus sind wir gestorben, mit ihm begraben und auferweckt worden , um in einem neuen Leben zu wandeln (Röm 6,4).

5 Wir sind gestorben, um nun Christus zu gehören. So wie wir früher dem ersten Mann gehörten und an dem "Gesetz des Mannes" gebunden, so sind wir nun an Christus und sein Gesetz gebunden (siehe Röm 6,12.13).

6 Das Ziel ist dabei, dass wir Gottes Willen tun.

5 Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz <erregt wurden>, in unseren Gliedern7, um dem Tod Frucht zu bringen8.

7 Vgl. Vers 23

8 Denn der Sünde (das ist die Gesetzesübertretung, vgl. 1Joh 3,4 (KJV, Schlachter, Elberfelder)) Sold ist der Tod. (Röm 6,23)

6 Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind9, worin wir festgehalten wurden, so daß wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens10.

9 Paulus überträgt das Bild der verheirateten Frau auf die Gläubigen. Da wir dem ersten Mann (der alte Bund) gestorben sind, sind wir von dessen Gesetz frei. Wir sind jetzt mit Jesus verheiratet, dem neuen Ehemann (der neue Bund).

10 Dem neuen Ehemann dienen wir mit einem neuen Geist, d. h. wir halten sein Gesetz nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen und unseren neuen Herrn lieben. Wir, die wir gestorben und wiedergeboren wurden, sind eine neue Kreatur geworden und haben neue Sympathien und Antipathien. (Das heißt nicht, dass wir jetzt fehlerlos geworden sind.)

7 Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne!11 Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewußt, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: »Du sollst nicht begehren!«12

11 Paulus macht klar, dass seine Aussage (Vers 5) nicht bedeutet, dass das Gesetz Sünde ist (Es ist heilig und gut! Vers 12). Auch ist es falsch zu glauben, das Gesetz wäre die Ursache der Sünde. Siehe Anmerkung 12.

12 Das Gesetz ist der Spiegel, in dem wir unsere Handlungen und Motive erkennen und auch sehen, ob wir sündigen. Vgl. Röm 3,20. – Durch den Spiegel erkennen wir uns selbst (Jak 1,23-25), aber auch die Mängel unseres Charakters. Denen aber, die an Ungerechtigkeit Gefallen haben, schätzen diesen Spiegel nicht, weil er ihnen ihre Sünden zeigt. Anstatt ihre fleischliche Gesinnung zu bekämpfen, bekämpfen sie den Spiegel, den Gott ihnen gerade zu dem Zweck gegeben hat, dass sie nicht getäuscht würden, sondern sich die Mängel ihres Charakters zeigen ließen. Leider gab es früher wie heute Menschen, die das Gesetz der Freiheit und die Tatsache, dass wir unter der Gnade und nicht unter dem Gesetz "stehen" als Rechtfertigung für ihr falsches Handeln genommen haben (1.Petr 2,16, Gal 5,13; 2.Petr 3,16).

8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot13

13 Ohne das Gesetz haben die Sünden (außer Kummer und Leid auf Erden) keine Konsequenzen. Erst durch das Gesetz werden sie verurteilt (Röm 4,15; 1Kor 15,56 ).

9 Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf;14

14 Paulus beschreibt den gleichen Gedanken aus Vers 8 noch einmal auf sich bezogen.

10 ich aber starb15. Und das Gebot, das zum Leben <gegeben>16, gerade das erwies sich mir zum Tod.17

15 Der Sünder wird vom Gesetz zum Tode verurteilt. So bringt die Sünde stets den Tod (siehe Jak 1,15; Röm 6,23).

16 Das Gesetz sollte den Menschen vor der Sünde warnen, ihn leiten und Gottes Charakter (z. B. seine moralischen Ansprüche) offenbaren. Wer es erfüllt, der wird leben (Röm 10,5).

17 Da Paulus (und jeder andere Mensch) aber sündigte und das Gesetz die Sünde verurteilt, wurde auch er verurteilt.

11 Denn die Sünde ergriff durch das Gebot die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe.18

18 Eine Zusammenfassung der Verse 8-10. Siehe auch Vers 5.

12 So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.19

19 Vgl. Vers 7a. Das Gesetz war und ist nicht das Problem. Im Gegenteil es ist (1Tim 1,8) und war schon immer gut (Ps 19,8; 119,172). Gottes Gebote zeigen dem Menschen noch immer, was Sünde ist. Sünde und Sünder werden wie zuvor verurteilt, jedoch haben wir "die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden." (Eph 1,7) – Das Gesetz nicht verändert, um sich dem gefallenen Zustand des Sünders anzupassen.

13 Ist nun das Gute mir zum Tod geworden? Das sei ferne!20 Sondern die Sünde, damit sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.21

20 Nicht das Gesetz bringt den Tod, sondern die Sünde (siehe Vers 10.12). Gäbe es keine Sünde, würde das "gute Gesetz" auch den Menschen nicht verurteilen.

21 Paulus betont hier, dass selbst das Gute (das Gesetz) ihn verurteilt, weil er ein Sünder ist. Das niedergeschriebene Gesetz macht dieses umso deutlicher, da es ihm zeigt, wo er versagt und gegen Gottes Willen verstößt. Die ganze Dramatik und Verzweifelung, die ein Mensch eigentlich spüren sollte beschreibt er in den folgenden Versen 14-25.

14 Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich23, unter die Sünde verkauft24

23 "Fleischlich" bedeutet dem Fleisch gemäß und ein Ausdruck des Paulus für die Natur des Menschen. Der "natürliche", "unwiedergeborene", "fleischliche" Mensch ist ein sündiger Mensch, der der Gegensatz des "geistlichen", wiedergeborenen Menschen ist. (Vgl. 1Kor 3,14;3,1;2,14; Gal 6,1)

24 Zwei Welten, die aufeinander stoßen. Da Paulus sich (hier) als fleischlich bezeichnet, kann er nicht das Gesetz halten. Er ist der Sünde ausgeliefert. Siehe auch Vers 23.

15 denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht25; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.26

25 Gemeint ist, dass alles was Paulus "leistet" nichts zählt.

26 Der ewige Kampf: Die fleischlichen, also sündigen Gelüste gegen den Willen Gottes.

16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, daß es gut ist.27

27 Würde Paulus die sündigen Dinge wollen, dann würde Paulus Gottes Gesetz ablehnen. Er stimmt jedoch dem Urteil des Gesetzes zu, das bestimmte Dinge als Sünde bezeichnet.

17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.28

28 Die in Paulus wohnende Sünde ist seine fleischliche Natur. Er selbst will nicht, da er aber fleischlich ist sündigt er. Siehe Verse 22 und 23.

18 Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt29; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht.30

29 Der Mensch ist böse und keiner ist gerecht vor Gott (Röm 3,9f).

30 Analogie zu Vers 15-17 und 22-23.

19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.31

31 Noch einmal klagt Paulus darüber, dass selbst wenn er das Gute will, dennoch das Böse tut. Vgl. Vers 18.

20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.32

32 Siehe Vers 17.

21 Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, <nur> das Böse vorhanden ist.33

33 Das Gesetz verurteilt die Taten und berücksichtigt nicht das "Wollen" des Menschen.

22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen34 Wohlgefallen am Gesetz Gottes.35

34 Sein Gewissen und Verstand, sein Herz.

35 Vgl. Vers 12 und Ps 1,2; 119,16.

23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern36, das dem Gesetz meines Sinnes37 widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde38, das in meinen Gliedern ist -

36 Nämlich das Gesetz der Sünde, die fleischliche Natur.

37 Gemeint wiederum der innere Mensch aus Vers 22.

38 Das Gesetz der Sünde veranlasst Paulus gegen seinen eigentlichen Willen zu handeln. Hier wiederholt er das Thema der Verse 14f.

24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?39

29 Der Höhepunkt der Ausführungen. Paulus erkennt, das er verloren ist.

25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.30

30 Paulus beschreibt im ganzen Kapitel, dass man aus sich selbst heraus Gottes Gesetz nicht halten kann. Selbst wenn das Wollen da ist, wird der Mensch sündigen. Der Höhepunkt ist Vers. 24-25a. Danach folgt die Zusammenfassung: Ich selbst kann nur (bestenfalls) wollen, nicht aber vollbringen.

Römer, Kapitel 8a (Fortsetzung von Kapitel 7)

1 Also <gibt es> jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.31

31 Durch Jesus sind wir erlöst und das Gesetz des "ersten Mannes" kann niemanden verdammen, der einem neuen Mann gehört. Diese Aussage ist aber nicht im Sinne zu verstehen: Einmal erlöst – immer erlöst. Dies ist falsch. Wichtig ist in Jesus zu bleiben und ihm gehorsam zu sein (siehe Joh 3,36).

2 Denn das Gesetz des Geistes32des Lebens in Christus Jesus hat dich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes33.

32 Das Gesetz des Geistes ist das Gesetz des neuen Mannes aus Röm 7,6.

33 Das Gesetz der Sünde und des Todes ist wieder dem Gesetz Gottes (Röm 7, 23.24). Jesus befreit uns von unseren alten sündigen Neigungen und verwandelt uns, wenn wir uns mit ihm verbinden. (Siehe Joh 15,1-6).

3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war34, <tat> Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte,35

34 "Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach." (Mt 26,41) – Dadurch, dass wir von Natur aus eine sündige Natur haben, können wir von uns aus nicht im Einklang mit Gottes Willen leben. Somit wird jeder Mensch vom Gesetz Gottes verurteilt. Es ist uns unmöglich durch das Gesetz zu Gott zu kommen, denn dieses ist nur durch den Glauben möglich (Röm 1, 16.17: 3, 21f)

35 Jesus war als Mensch zu uns gekommen und siegte über die Sünde.

4 damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns35, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.36

35 Durch Jesu Sieg über die Sünde und dadurch, dass er unsere Sünden auf sich genommen hat (Joh 1,29; Jes 53,5-7; Offb 1,5), sind wir vor dem Gesetz gerecht, d. h. ohne Sünde (1Joh 1,7; Jes 1,18; Röm 5,1).

36 Dieses Rechtfertigung gilt jenen, die dem "neuen Mann" im neuen Geist dienen (siehe Röm 7,2-6).

5 Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist;37 die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist.38

37 Wer nicht wiedergeboren ist, dessen Geist ist nicht erneuert. Sein Streben und seine Gedanken beschäftigen sich mit den gleichen irdischen Dingen. Das Gesetz, Gottes Worte und sein Handeln bleibt ihm unverständlich (Röm 7,14; 1Kor 2,13.14).

38 Der wiedergeborene Mensch löst sich von den Dingen der Welt und strebt nach Harmonie mit Gottes Willen. Sein Streben gilt nun den "himmlischen Reichtümern" (Mt 6,20). Er bildet einen Gegensatz zum fleischlich gesinnten Menschen.

6 Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod39, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden,40

39 Der Tod ist die Folge, da das Fleisch zur Sünde führt und diese verurteilt wird. (Gal 6,8; Röm 6, 21; Jak 1,15)

40 Durch die Verbindung mit Jesus bringen wir viel und gute Frucht (Joh 15,5). Er schenkt uns seinen Frieden (Joh 14, 27; Röm 5,1) und dient als Mittler und Fürsprecher, sollten wir einmal auf unserem Weg stolpern und sündigen, "so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. " (1Joh 2,1).

7 weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist41, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht.42

41 Die Ziele und das Trachten der Welt sind mit Gott nicht vereinbar (Jak 4,4). Wenn ein Mensch nicht seine fleischliche Gesinnung aufgeben will, kann es zur heimlichen oder öffentlichen Feindschaft gegen Gott kommen, da Gott durch das Gesetz seinem Streben verurteilt.

42 Aber selbst, wenn jemand Gottes Willen tun will, so kann er das Gesetz von sich aus nicht erfüllen (Röm 7,14-25).

8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.43

43 Die im Fleisch sind werden fallen, da sie entweder mit Absicht sündigen, oder weil sie versuchen von sich aus Gottes Gesetz zu erfüllen und dabei versagen werden. (vgl. Röm 7,14-25).

9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt.44Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.45

44 Es ist keine Selbstverständlichkeit "im Geist zu sein". Wenn aber der Geist Gottes in uns wohnt, dann sind wir nicht mehr fleischlich. So wie das Licht die Finsternis vertreibt, so vertreibt der Geist Gottes die Sünden aus unserem Leben. Sünde kann in der Gegenwart Gottes nicht existieren.

45 Wer den Geist Christi nicht hat, weil er fleischlich gesinnt ist, also entweder seine sündigen Neigungen nicht aufgeben will oder sich durch seine Taten erlösen will, in dem er selbst versucht durch das Gesetz gerecht zu werden, der gehört nicht Jesus, dem "neuen Mann" (Röm 7, 2-4).

10 Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.46

46 Paulus greift hier einen Gedanken aus dem sechsten Kapitel des Römerbriefes auf. Dort beschreibt er, dass ein Mensch, der mit Jesus verbunden ist, seinen alten (fleischlichen) Leib vernichtet (er wird mit Jesus gekreuzigt) und nun in Jesus Christus lebt. In diesem neuen Leben ist der Mensch dennoch der Sünde ausgesetzt, der es zu wiederstreben gilt (Röm 6, 12.13). Daher spricht Paulus davon, dass er täglich stirbt (1Kor 15,31). Im Hebräerbrief lesen wir zudem von einem harten Kampf gegen die Sünde (Hebr 12,4). Das neue Leben, dass wir nun führen sollen ist ein Leben der Sündlosigkeit und Gerechtigkeit (Röm 6, 12).

11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.47

47 Paulus spricht hier von zwei Dingen. Durch den Geist wird das möglich, was dem Fleisch nicht möglich war, nämlich Gott zu gefallen und seinen Willen zu tun. Dadurch, dass er unseren toten Leib durch den Geist neu belebt, sind wir zu einem neuen Leben berufen, in dem wir nicht länger sündigen wollen, da wir ja der Sünde gestorben sind (Röm 6,2). Auf der anderen Seite kann Röm 8,11 auch auf die Auferstehung der Toten und der Verwandlung der Lebendigen (1Thes 4,14.15; 1Kor 15,51.52) gedeutet werden.

12 So sind wir nun, Brüder, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben;48

48 "Denn indem ihr nun frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit." (Luther: Röm 6,18)

13 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.49

49 Vergleiche Vers 6.

14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.

15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht50, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen51, in dem wir rufen: Abba, Vater!

50 Der Geist der Knechtschaft, der den Knecht mit dem Tode bedroht, sollte dieser einen Fehler machen, dieser Geist ist nicht der Geist, der ein Kind Gottes empfangen hat. Da Paulus sich und uns als Knechte (im positiven Sinne) bezeichnet (z. B. Röm 6, 18) ist es nicht verwerflich ein Knecht Gottes zu sein. Gott hat uns nicht absolute Freiheit gegeben, sondern wir schulden unseren Herren auch Gehorsam. Die Knechtschaft Gottes hat aber nichts mit Furcht zu tun! Das Gesetz der Knechtschaft, dass mit dem Todesurteil droht, ist nicht den Gerechten, sondern den Ungerechten gegeben (1Tim 1,9-10)! Der Geist der Knechtschaft kann aber auch dann entstehen, wenn wir versuchen die Forderungen des Gesetzes aus eigener Kraft zu erfüllen.

51 Dieser Geist ist jedoch nicht der Geist der Welt, sondern der Geist Christi. Dieser führt zum Einklang mit Gottes Willen und vertreibt die Furcht (2.Tim 1,7; 1Joh 3, 23; 4,18).

16 Der Geist selbst bezeugt52<zusammen> mit unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind.

52 Diese Zeugnis zeigt sich auch in der Tat und nicht nur im Wort (Röm 2,13; Jak 1,22; 1Joh 2,3.4;5,2).

17 Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.53

53 Gott will uns beschenken, obgleich wir auch zu leiden haben (Verfolgung, Verleumdung aber auch der Kampf mit der Sünde). Wer jedoch dieses überwindet, der wird alles erben (Offb 21,7).

Zusammenfassung

 

Paulus schreibt, dass sich unsere Beziehung zu Gott grundlegend geändert hat, denn wir haben einen "neuen Mann" geheiratet und sind nun seinem Gesetz untertan, dem wir in einem neuen Geist und mit einer neuen Gesinnung dienen (Röm 7, 2-6). Das Todesurteil des Gesetzes des "alten Mannes" brauchen wir nicht mehr zu fürchten, da wir (mit Jesus) gestorben sind und (durch den Geist) auferweckt wurden, Gott mit einem Leben der Gerechtigkeit zu dienen. In diesem neuen Leben ist Jesus unser Mittler und Führsprecher (1Joh 2, 1-6).

Das Gesetz Gottes dient uns dabei als Spiegel, in dem wir unsere Fehler erkennen können. Es bleibt heilig und gut (Röm 7, 12). Zwar sind wir von dem Urteil des Gesetzes freigesprochen worden, da wir gestorben sind, aber dies soll uns kein Anlass sein zu sündigen oder in der Sünde zu verweilen (siehe Anmerkung 46). Daraus kann man folgern, dass Gesetz des neuen Mannes und das Gesetz des alten Mannes den gleichen Grundsätzen folgt, denn würde das neue Gesetz die alten Sünden nicht als Sünde bezeichnen, so wäre Paulus Forderung im neuen Leben nicht länger in der Sünde zu verweilen sinnlos. Vom neuen Bund heißt es: "Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein." (Hebr 8, 10)

Zwar schreibt Paulus, dass wir "vom Gesetz frei gemacht" wurden, aber dies ist nicht so zu verstehen, dass wir nun gesetzlos sind, wie der Kontext von Römer 7 und 8, aber auch Hebr 8, 10) zeigt. Die beiden Kapitel des Römerbriefes erörtern nicht die Frage was Gottes Willen (was Sünde) ist, sondern zeigen, dass der Mensch ohne Jesus, ohne den "neune Mann" verloren ist, da er selbst fleischlich ist, Gottes Gesetz nicht von sich aus halten kann, und somit vor Gott als Sünder steht. Römer 8 zeigt uns den Weg, den wir gehen müssen, um vor Gott bestehen zu können: Es ist das eins sein mit Jesus.